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Schleifpapier Körnung – Tabelle und richtige Auswahl

P400 ist nicht dasselbe wie 400er Papier, und oberhalb von P2500 gibt es gar keine Norm mehr. Was die Zahlen wirklich bedeuten – und welche Reihe auf Metall gehört.

Ratgeber: Schleifpapier Körnung – Tabelle und richtige Auswahl

Die Körnungszahl auf einem Schleifpapier sagt, wie groß die Körner darauf sind. Je höher die Zahl, desto feiner das Korn. So weit die Merkregel – und sie reicht genau so lange, bis zwei Papiere aus unterschiedlichen Systemen nebeneinanderliegen.

Denn es gibt mehrere Skalen, sie stimmen nur bis zu einem bestimmten Punkt überein, und im deutschen Handel taucht zusätzlich ein Buchstabe auf, den keine Norm kennt. Dieser Artikel sortiert das, liefert die Korngrößen in Mikrometer und beantwortet die Frage, die alle Ratgeber offenlassen: welche Körnung vor welcher Polierstufe auf blankem Metall steht.

P, F, K und CAMI: was die Zeichen bedeuten

Vier Bezeichnungen begegnen dir im Handel, und nur drei davon sind Normen.

  • FEPA-P – die europäische Reihe für flexible Schleifmittel: Schleifpapier, Schleifbänder, Scheiben auf Unterlage. Das ist die Reihe, die auf fast allem steht, was du in die Hand nimmst.
  • FEPA-F – dieselbe Organisation, aber für gebundene Schleifmittel: Schleifscheiben, Schleifkörper, Schleifsteine. F und P sind nicht dasselbe und nicht ineinander umrechenbar.
  • CAMI (ANSI B74.18) – die US-amerikanische Skala. Sie kommt ohne P daher: 400, 600, 1000.
  • K – keine Norm. Im deutschsprachigen Handel steht das K schlicht für „Korn" und meint in aller Regel dieselbe Zahl wie die P-Reihe. Hersteller mischen beide Schreibweisen für dieselbe Produktlinie.

Gemessen wird nach ISO 6344, in Deutschland als DIN ISO 6344. Die aktuell gültigen Teile stammen von 2021; der frühere Teil 1 wurde zurückgezogen. Die Norm legt fest, wie die Partikelgröße von Korund und Siliziumkarbid bestimmt wird.

HÄUFIGER IRRTUM Das P in P400 steht für die FEPA-P-Reihe, nicht für eine Härteangabe. Die Buchstaben A bis Z bezeichnen die Bindungshärte gebundener Schleifscheiben – ein völlig anderes Thema.

Dieser Irrtum steht auf mehreren reichweitenstarken Ratgeberseiten und wird dort als Erklärung des P angeboten. Er ist falsch, und er hält sich hartnäckig.

Körnungstabelle mit Korngröße in Mikrometer

Die eigentlich nützliche Tabelle ist nicht die mit den Materialien, sondern die mit den Zahlen. Die Werte unten stammen aus den Korngrößentabellen von zische.com und feinewerkzeuge.de, die beide auf die FEPA- und ISO-Angaben zurückgehen. Die Mikrometerwerte sind Medianwerte.

  • P40 – 425 µm
  • P80 – 201 µm
  • P120 – 125 µm · CAMI 100
  • P240 – 58,5 µm · CAMI 240
  • P400 – 35,0 µm · CAMI 360
  • P600 – 25,8 µm
  • P800 – 21,8 µm
  • P1000 – 18,3 µm · CAMI 500
  • P1200 – 15,3 µm · CAMI 600
  • P1500 – 12,6 µm
  • P2000 – 10,3 µm · CAMI 800
  • P2500 – 8,4 µm · CAMI 1000

Zwei Dinge fallen daran auf. Erstens: Bis Körnung 220 tragen FEPA-P und CAMI dieselbe Zahl, darüber laufen sie auseinander – und zwar erheblich. P1000 entspricht ungefähr CAMI 500, ist also halb so fein, wie die Zahl vermuten lässt. Wer amerikanische Ware kauft, sollte das wissen.

Zweitens: Oberhalb von 220 gibt es keine exakte Umrechnung mehr, nur eine Zuordnung über die nächstliegende Partikelgröße. Tabellen, die dort exakte Gleichungen behaupten, vereinfachen.

Verbreitet ist auch die Merkregel, die Körnungszahl entspreche den Maschen je Zoll, Korngröße also 25,4 geteilt durch die Körnung. Im groben Bereich trägt das ungefähr. Bei P400 ergäbe die Rechnung 63,5 Mikrometer – tatsächlich sind es 35. Als Faustregel für grobe Papiere brauchbar, für den Feinbereich unbrauchbar.

Wo die P-Reihe endet: P3000 bis P8000

Hier wird es interessant für alle, die Metall polieren. Die FEPA-P-Reihe endet bei P2500. Alles darüber ist Herstellerbezeichnung, keine Norm.

Für P3000 und P5000 finden sich Richtwerte von etwa 7 und 5 Mikrometern, allerdings ohne die Toleranzangaben, die die genormten Stufen begleiten. Für P8000 gibt es keine belastbare Größenangabe – die Zahl beschreibt die Position im Sortiment eines Herstellers, nicht eine gemessene Korngröße.

Das ist kein Mangel, sondern eine Folge der Anwendung. In diesem Bereich schleift das Papier kaum noch, es verdichtet die Oberfläche. Der Übergang zum Polieren ist fließend, und genau deshalb hat die Norm dort keine Stufen mehr definiert.

PRAKTISCH Vergleiche im Feinbereich nie über die Zahl, sondern über das Ergebnis auf einem Probestück. Zwei P5000 verschiedener Hersteller können unterschiedlich arbeiten.

Für die Praxis heißt das auch: Bleib innerhalb einer Produktlinie, wenn du eine Reihe aufbaust. Wie eine solche Reihe von P1000 bis P8000 aufgebaut ist, zeigen die Schleif- und Polierscheiben nach Körnung; die Trizact- und Hookit-Linien sind bei 3M-Scheiben in 150 Millimetern zusammengefasst.

Welche Körnung für welches Metall

Die Ratgeberseiten geben hier sehr ähnliche Bereiche an. Zusammengeführt ergibt sich folgendes Bild.

Grobabtrag

Rost, Altlack, Schweißnähte: P40 bis P80. Bei Edelstahl-Schweißnähten nennen Fachhändler auch P36 bis P60. Diese Stufe ist ein Eingriff – jede Riefe, die hier entsteht, musst du über alle folgenden Stufen wieder herausholen.

Fläche glätten

P80 bis P120. Hier verschwinden die Spuren des Grobschliffs, und die Fläche wird gleichmäßig.

Vorbereitung

P180 bis P320. Nach dieser Stufe ist die Oberfläche bereit für eine Beschichtung oder für den Feinschliff. Für Edelstahl reicht man häufig bis P400 und darüber.

Feinschliff

Ab P400 nass, mit Siliziumkarbid als Korn. Für blankes Aluminium und Edelstahl geht die Reihe weiter über P800, P1200, P2000 bis in den Bereich, den die Norm nicht mehr abdeckt.

Für Buntmetalle wie Messing und Bronze gelten eigene Stufen, die der Beitrag über das Polieren von Messing nennt. Für Polycarbonat, etwa an Scheinwerfern, gilt eine eigene Reihe — sie steht bei der Scheinwerfer-Aufbereitung. Beim Kornmaterial gilt eine einfache Zuordnung: unlegierter Stahl verträgt Korund, Edelstahl und Buntmetalle arbeiten besser mit Siliziumkarbid. Normalkorund ist für Edelstahl nur bedingt geeignet, weil er zu schnell stumpft und dann Wärme erzeugt statt abzutragen.

Bei Edelstahl kommt eine zweite Regel dazu, die wichtiger ist als jede Körnung: eisenfrei arbeiten. Ein Schleifmittel, das vorher an unlegiertem Stahl war, bringt Fremdeisen in die Oberfläche – und das erscheint Wochen später als Flugrost. Die Folgen beschreibt der Beitrag über Fremdrost auf Edelstahl.

Die Reihe vor dem Polieren

An dieser Stelle hören die verbreiteten Ratgeber auf. Sie ordnen alles oberhalb P800 dem Klarlack zu – Zwischenschliff, Lackläufer, Hochglanzaufbereitung. Für blankes Metall endet ihre Beratung bei P400 bis P600.

In der Praxis an Aluminium und Edelstahl geht die Reihe weiter, und wie weit, hängt davon ab, was danach kommt.

  • Mit Schwabbelscheibe und Paste am Polierbock reicht ein Vorschliff bis P400 oder P600. Die Scheibe arbeitet grob genug, um von dort aus Hochglanz zu erzeugen. Fachquellen koppeln die Scheibe an den Vorschliff: Sisal ab Korn 240, Baumwolle ab 400, Flanell ab 600.
  • Ohne Polierbock, mit Pad und Politur brauchst du die feineren Stufen: P800, P1200, P2000 und darüber. Je feiner die letzte Schleifstufe, desto weniger muss die Politur leisten.
  • Von Hand, etwa im Felgenbett oder an einem Krümmer, ist die feine Reihe fast immer der bessere Weg. Ein Pad mit P3000 bis P8000 kommt in Radien, in die keine Scheibe passt.

Die Reihenfolge im Ganzen, unabhängig vom Werkstoff, steht bei den Grundlagen des Metallpolierens. Der Sprung zwischen zwei Stufen ist der zweite Hebel. Die Quellen nennen unterschiedliche Regeln: die Korngrößenzahl höchstens verdoppeln, nicht mehr als zwei Stufen überspringen, oder in Hundertersprüngen arbeiten. Gemeinsam ist ihnen der Grund – die Spantiefe einer Körnung liegt bei etwa einem Drittel des Korndurchmessers, und was tiefer sitzt, holt die nächste Stufe nicht mehr heraus.

Wie diese Reihe an einem konkreten Werkstück aussieht, steht in der Anleitung zum Aluminium polieren und, mit den Besonderheiten der Schliffbilder, beim Polieren von Edelstahl.

Nass oder trocken schleifen

Nassschliff ist kein Sonderfall, sondern ab dem Feinbereich der Normalfall. Das Wasser tut drei Dinge gleichzeitig: Es spült den Abrieb weg, hält das Papier offen und führt Wärme ab.

Ohne Wasser setzt sich ein feines Papier innerhalb weniger Züge mit Metall zu und schmiert dann nur noch. Das Ergebnis sieht aus wie ein Schleiffehler, ist aber ein Schmierfilm. Ein Tropfen Spülmittel im Wasser verbessert das Gleiten spürbar.

An einer Felge sieht diese Reihe konkret so aus, wie sie der Beitrag zum Aufbereiten von Felgen beschreibt. Trocken geschliffen wird beim Grobabtrag, bei Lack und überall dort, wo Wasser in Hohlräume läuft und nicht wieder herauskommt. Bei blankem Aluminium spricht noch ein weiterer Grund fürs nasse Arbeiten, und der steht weiter unten im Abschnitt zur Sicherheit.

Wichtig ist außerdem die Unterlage. Ein Schleifpapier, das ohne Klotz oder Pad über eine Fläche geführt wird, folgt jeder Unebenheit und arbeitet Wellen ein. Auf Rundungen braucht es dagegen eine nachgiebige Unterlage. Welche Teller und Aufsätze wofür gedacht sind, steht bei den Poliertellern und Aufsätzen für Metall.

Streuung: warum zwei P120 verschieden arbeiten

Neben der Körnung gibt es ein zweites Merkmal, das im Handel selten auf der Packung steht: die Streuung. Sie beschreibt, wie dicht die Körner auf der Unterlage sitzen.

  • Dichte Streuung – die Fläche ist vollständig belegt. Hoher Abtrag, gleichmäßiges Schliffbild, aber empfindlich gegen Zusetzen.
  • Halboffene Streuung – etwa 70 bis 80 Prozent Belegung.
  • Offene Streuung – etwa 50 bis 70 Prozent. Der Abrieb hat Platz, das Papier setzt sich langsamer zu.

In der Metallbearbeitung wird überwiegend dicht gestreutes Material eingesetzt, weil sich Metallspäne nicht in derselben Weise festsetzen wie Holzstaub oder Farbreste. Bei Lack und weichen Materialien ist offene Streuung sinnvoller.

Das erklärt auch, warum zwei Papiere mit derselben Zahl unterschiedlich arbeiten können: gleiche Körnung, andere Streuung, anderes Kornmaterial, andere Unterlage.

Fehler, die erst nach dem Polieren auffallen

  1. Eine Stufe überspringen. Die Riefen der gröberen Stufe bleiben stehen. Nach dem Schleifen sieht die Fläche gleichmäßig matt aus, nach dem Polieren erscheint das Riefenmuster im Streiflicht.
  2. Zu viel Druck. Erzeugt tiefere Furchen statt schnelleren Abtrag und verkürzt die Standzeit des Papiers erheblich.
  3. Verschlissenes Papier weiterverwenden. Ein stumpfes Blatt schleift kaum noch, erzeugt aber Wärme – und Wärme verzieht dünnwandige Teile.
  4. Mit derselben Körnung kreuzen. Innerhalb einer Stufe in eine Richtung arbeiten. Der Richtungswechsel gehört zwischen die Stufen, dort zeigt er nämlich, wann die vorherige Spur verschwunden ist.
  5. Falsches Kornmaterial. Korund auf Edelstahl stumpft schnell. Siliziumkarbid ist dort die bessere Wahl.
  6. Drahtbürste als Abkürzung. Sie hinterlässt tiefe Riefen, die tiefer sitzen als jede Folgekörnung abträgt. Auf dünnwandigen Teilen ist der Schaden dauerhaft.

Der Richtungswechsel zwischen den Stufen ist dabei der praktischste Trick des ganzen Artikels. Wenn du die nächste Körnung quer zur vorherigen ansetzt, siehst du genau, wann die alten Spuren weg sind: nämlich dann, wenn keine Linie mehr in der alten Richtung läuft.

Sicherheit beim Schleifen von Metall

Die üblichen Ratgeber nennen Schutzbrille und Handschuhe. Beim Metallschleifen kommen zwei Punkte dazu, die dort fehlen.

Aluminiumstaub ist brand- und explosionsfähig. Die Arbeitsschutzregeln für das Schleifen, Bürsten und Polieren von Aluminium warnen vor explosionsfähigen Staub-Luft-Gemischen, vor Selbstentzündung größerer Staubansammlungen und vor Wasserstoffbildung. Sie verlangen Absaugung, bevorzugt mit Nassabscheidung. Das ist der zweite gute Grund, im Feinbereich nass zu arbeiten.

Beim Schleifen hochlegierter Stähle entsteht Staub mit Chrom- und Nickelverbindungen. Die Grenzwerte dafür liegen sehr niedrig, verlangt werden Absaugung an der Entstehungsstelle und Atemschutz mindestens der Klasse P2. Für ein paar Züge von Hand spielt das keine Rolle, für eine Stunde mit der Maschine schon.

MERKEN Aluschleifstaub gehört nicht trocken in den Werkstattsauger. Nass arbeiten oder mit Nassabscheider absaugen.

Häufige Fragen zur Schleifpapier-Körnung

Welche Körnung ist grob und welche fein?

Grob ist alles bis etwa P80, mittel liegt zwischen P100 und P150, fein beginnt ab P180. Was darüber liegt, gilt als sehr fein und dient nicht mehr dem Abtrag, sondern der Vorbereitung auf Politur oder Beschichtung.

Kann ich eine Körnungsstufe überspringen?

Kurz gesagt nein. Eine Körnung trägt nur etwa ein Drittel ihres Korndurchmessers tief ab. Was die vorherige Stufe tiefer eingeschnitten hat, bleibt stehen – du siehst es erst, wenn die Fläche glänzt. Als Grenze gilt: die Zahl höchstens verdoppeln.

Ist P400 dasselbe wie 400er Papier?

Nur bei europäischer Ware. P400 ist die FEPA-Bezeichnung und entspricht etwa CAMI 360 aus dem amerikanischen System. Umgekehrt ist CAMI 400 feiner als P400. Bis Körnung 220 sind beide Systeme deckungsgleich, darüber nicht mehr.

Was bedeutet K bei Schleifpapier?

K steht im deutschsprachigen Handel für „Korn" und meint in aller Regel dieselbe Zahl wie die P-Reihe. Es ist keine Norm; Hersteller verwenden K und P für dieselben Produkte nebeneinander.

Welche Körnung brauche ich vor dem Polieren?

Das hängt vom Polierverfahren ab. Mit Schwabbelscheibe und Paste genügt P400 bis P600. Mit Pad und Politur arbeitest du besser bis P2000 und darüber. Von Hand in Radien ist die feine Reihe bis P8000 der praktikabelste Weg.

Was ist der Unterschied zwischen Nass- und Trockenschliff?

Beim Nassschliff spült Wasser den Abrieb weg, kühlt und hält das Papier offen. Das ergibt ein feineres Schliffbild und eine längere Standzeit. Trocken schleift man beim Grobabtrag und dort, wo Wasser nicht hingehört. Ab etwa P400 auf Metall ist nass die Regel.

Gibt es P8000 als Norm?

Nein. Die FEPA-P-Reihe endet bei P2500. P3000, P5000 und P8000 sind Herstellerbezeichnungen für den Übergangsbereich zwischen Schleifen und Polieren. Sie sind deshalb nur innerhalb einer Produktlinie direkt vergleichbar.

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