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Ratgeber
P400 ist nicht dasselbe wie 400er Papier, und oberhalb von P2500 gibt es gar keine Norm mehr. Was die Zahlen wirklich bedeuten – und welche Reihe auf Metall gehört.
Die Körnungszahl auf einem Schleifpapier sagt, wie groß die Körner darauf sind. Je höher die Zahl, desto feiner das Korn. So weit die Merkregel – und sie reicht genau so lange, bis zwei Papiere aus unterschiedlichen Systemen nebeneinanderliegen.
Denn es gibt mehrere Skalen, sie stimmen nur bis zu einem bestimmten Punkt überein, und im deutschen Handel taucht zusätzlich ein Buchstabe auf, den keine Norm kennt. Dieser Artikel sortiert das, liefert die Korngrößen in Mikrometer und beantwortet die Frage, die alle Ratgeber offenlassen: welche Körnung vor welcher Polierstufe auf blankem Metall steht.
Vier Bezeichnungen begegnen dir im Handel, und nur drei davon sind Normen.
Gemessen wird nach ISO 6344, in Deutschland als DIN ISO 6344. Die aktuell gültigen Teile stammen von 2021; der frühere Teil 1 wurde zurückgezogen. Die Norm legt fest, wie die Partikelgröße von Korund und Siliziumkarbid bestimmt wird.
HÄUFIGER IRRTUM Das P in P400 steht für die FEPA-P-Reihe, nicht für eine Härteangabe. Die Buchstaben A bis Z bezeichnen die Bindungshärte gebundener Schleifscheiben – ein völlig anderes Thema.
Dieser Irrtum steht auf mehreren reichweitenstarken Ratgeberseiten und wird dort als Erklärung des P angeboten. Er ist falsch, und er hält sich hartnäckig.
Die eigentlich nützliche Tabelle ist nicht die mit den Materialien, sondern die mit den Zahlen. Die Werte unten stammen aus den Korngrößentabellen von zische.com und feinewerkzeuge.de, die beide auf die FEPA- und ISO-Angaben zurückgehen. Die Mikrometerwerte sind Medianwerte.
Zwei Dinge fallen daran auf. Erstens: Bis Körnung 220 tragen FEPA-P und CAMI dieselbe Zahl, darüber laufen sie auseinander – und zwar erheblich. P1000 entspricht ungefähr CAMI 500, ist also halb so fein, wie die Zahl vermuten lässt. Wer amerikanische Ware kauft, sollte das wissen.
Zweitens: Oberhalb von 220 gibt es keine exakte Umrechnung mehr, nur eine Zuordnung über die nächstliegende Partikelgröße. Tabellen, die dort exakte Gleichungen behaupten, vereinfachen.
Verbreitet ist auch die Merkregel, die Körnungszahl entspreche den Maschen je Zoll, Korngröße also 25,4 geteilt durch die Körnung. Im groben Bereich trägt das ungefähr. Bei P400 ergäbe die Rechnung 63,5 Mikrometer – tatsächlich sind es 35. Als Faustregel für grobe Papiere brauchbar, für den Feinbereich unbrauchbar.
Hier wird es interessant für alle, die Metall polieren. Die FEPA-P-Reihe endet bei P2500. Alles darüber ist Herstellerbezeichnung, keine Norm.
Für P3000 und P5000 finden sich Richtwerte von etwa 7 und 5 Mikrometern, allerdings ohne die Toleranzangaben, die die genormten Stufen begleiten. Für P8000 gibt es keine belastbare Größenangabe – die Zahl beschreibt die Position im Sortiment eines Herstellers, nicht eine gemessene Korngröße.
Das ist kein Mangel, sondern eine Folge der Anwendung. In diesem Bereich schleift das Papier kaum noch, es verdichtet die Oberfläche. Der Übergang zum Polieren ist fließend, und genau deshalb hat die Norm dort keine Stufen mehr definiert.
PRAKTISCH Vergleiche im Feinbereich nie über die Zahl, sondern über das Ergebnis auf einem Probestück. Zwei P5000 verschiedener Hersteller können unterschiedlich arbeiten.
Für die Praxis heißt das auch: Bleib innerhalb einer Produktlinie, wenn du eine Reihe aufbaust. Wie eine solche Reihe von P1000 bis P8000 aufgebaut ist, zeigen die Schleif- und Polierscheiben nach Körnung; die Trizact- und Hookit-Linien sind bei 3M-Scheiben in 150 Millimetern zusammengefasst.
Die Ratgeberseiten geben hier sehr ähnliche Bereiche an. Zusammengeführt ergibt sich folgendes Bild.
Rost, Altlack, Schweißnähte: P40 bis P80. Bei Edelstahl-Schweißnähten nennen Fachhändler auch P36 bis P60. Diese Stufe ist ein Eingriff – jede Riefe, die hier entsteht, musst du über alle folgenden Stufen wieder herausholen.
P80 bis P120. Hier verschwinden die Spuren des Grobschliffs, und die Fläche wird gleichmäßig.
P180 bis P320. Nach dieser Stufe ist die Oberfläche bereit für eine Beschichtung oder für den Feinschliff. Für Edelstahl reicht man häufig bis P400 und darüber.
Ab P400 nass, mit Siliziumkarbid als Korn. Für blankes Aluminium und Edelstahl geht die Reihe weiter über P800, P1200, P2000 bis in den Bereich, den die Norm nicht mehr abdeckt.
Für Buntmetalle wie Messing und Bronze gelten eigene Stufen, die der Beitrag über das Polieren von Messing nennt. Für Polycarbonat, etwa an Scheinwerfern, gilt eine eigene Reihe — sie steht bei der Scheinwerfer-Aufbereitung. Beim Kornmaterial gilt eine einfache Zuordnung: unlegierter Stahl verträgt Korund, Edelstahl und Buntmetalle arbeiten besser mit Siliziumkarbid. Normalkorund ist für Edelstahl nur bedingt geeignet, weil er zu schnell stumpft und dann Wärme erzeugt statt abzutragen.
Bei Edelstahl kommt eine zweite Regel dazu, die wichtiger ist als jede Körnung: eisenfrei arbeiten. Ein Schleifmittel, das vorher an unlegiertem Stahl war, bringt Fremdeisen in die Oberfläche – und das erscheint Wochen später als Flugrost. Die Folgen beschreibt der Beitrag über Fremdrost auf Edelstahl.
An dieser Stelle hören die verbreiteten Ratgeber auf. Sie ordnen alles oberhalb P800 dem Klarlack zu – Zwischenschliff, Lackläufer, Hochglanzaufbereitung. Für blankes Metall endet ihre Beratung bei P400 bis P600.
In der Praxis an Aluminium und Edelstahl geht die Reihe weiter, und wie weit, hängt davon ab, was danach kommt.
Die Reihenfolge im Ganzen, unabhängig vom Werkstoff, steht bei den Grundlagen des Metallpolierens. Der Sprung zwischen zwei Stufen ist der zweite Hebel. Die Quellen nennen unterschiedliche Regeln: die Korngrößenzahl höchstens verdoppeln, nicht mehr als zwei Stufen überspringen, oder in Hundertersprüngen arbeiten. Gemeinsam ist ihnen der Grund – die Spantiefe einer Körnung liegt bei etwa einem Drittel des Korndurchmessers, und was tiefer sitzt, holt die nächste Stufe nicht mehr heraus.
Wie diese Reihe an einem konkreten Werkstück aussieht, steht in der Anleitung zum Aluminium polieren und, mit den Besonderheiten der Schliffbilder, beim Polieren von Edelstahl.
Nassschliff ist kein Sonderfall, sondern ab dem Feinbereich der Normalfall. Das Wasser tut drei Dinge gleichzeitig: Es spült den Abrieb weg, hält das Papier offen und führt Wärme ab.
Ohne Wasser setzt sich ein feines Papier innerhalb weniger Züge mit Metall zu und schmiert dann nur noch. Das Ergebnis sieht aus wie ein Schleiffehler, ist aber ein Schmierfilm. Ein Tropfen Spülmittel im Wasser verbessert das Gleiten spürbar.
An einer Felge sieht diese Reihe konkret so aus, wie sie der Beitrag zum Aufbereiten von Felgen beschreibt. Trocken geschliffen wird beim Grobabtrag, bei Lack und überall dort, wo Wasser in Hohlräume läuft und nicht wieder herauskommt. Bei blankem Aluminium spricht noch ein weiterer Grund fürs nasse Arbeiten, und der steht weiter unten im Abschnitt zur Sicherheit.
Wichtig ist außerdem die Unterlage. Ein Schleifpapier, das ohne Klotz oder Pad über eine Fläche geführt wird, folgt jeder Unebenheit und arbeitet Wellen ein. Auf Rundungen braucht es dagegen eine nachgiebige Unterlage. Welche Teller und Aufsätze wofür gedacht sind, steht bei den Poliertellern und Aufsätzen für Metall.
Neben der Körnung gibt es ein zweites Merkmal, das im Handel selten auf der Packung steht: die Streuung. Sie beschreibt, wie dicht die Körner auf der Unterlage sitzen.
In der Metallbearbeitung wird überwiegend dicht gestreutes Material eingesetzt, weil sich Metallspäne nicht in derselben Weise festsetzen wie Holzstaub oder Farbreste. Bei Lack und weichen Materialien ist offene Streuung sinnvoller.
Das erklärt auch, warum zwei Papiere mit derselben Zahl unterschiedlich arbeiten können: gleiche Körnung, andere Streuung, anderes Kornmaterial, andere Unterlage.
Der Richtungswechsel zwischen den Stufen ist dabei der praktischste Trick des ganzen Artikels. Wenn du die nächste Körnung quer zur vorherigen ansetzt, siehst du genau, wann die alten Spuren weg sind: nämlich dann, wenn keine Linie mehr in der alten Richtung läuft.
Die üblichen Ratgeber nennen Schutzbrille und Handschuhe. Beim Metallschleifen kommen zwei Punkte dazu, die dort fehlen.
Aluminiumstaub ist brand- und explosionsfähig. Die Arbeitsschutzregeln für das Schleifen, Bürsten und Polieren von Aluminium warnen vor explosionsfähigen Staub-Luft-Gemischen, vor Selbstentzündung größerer Staubansammlungen und vor Wasserstoffbildung. Sie verlangen Absaugung, bevorzugt mit Nassabscheidung. Das ist der zweite gute Grund, im Feinbereich nass zu arbeiten.
Beim Schleifen hochlegierter Stähle entsteht Staub mit Chrom- und Nickelverbindungen. Die Grenzwerte dafür liegen sehr niedrig, verlangt werden Absaugung an der Entstehungsstelle und Atemschutz mindestens der Klasse P2. Für ein paar Züge von Hand spielt das keine Rolle, für eine Stunde mit der Maschine schon.
MERKEN Aluschleifstaub gehört nicht trocken in den Werkstattsauger. Nass arbeiten oder mit Nassabscheider absaugen.
Grob ist alles bis etwa P80, mittel liegt zwischen P100 und P150, fein beginnt ab P180. Was darüber liegt, gilt als sehr fein und dient nicht mehr dem Abtrag, sondern der Vorbereitung auf Politur oder Beschichtung.
Kurz gesagt nein. Eine Körnung trägt nur etwa ein Drittel ihres Korndurchmessers tief ab. Was die vorherige Stufe tiefer eingeschnitten hat, bleibt stehen – du siehst es erst, wenn die Fläche glänzt. Als Grenze gilt: die Zahl höchstens verdoppeln.
Nur bei europäischer Ware. P400 ist die FEPA-Bezeichnung und entspricht etwa CAMI 360 aus dem amerikanischen System. Umgekehrt ist CAMI 400 feiner als P400. Bis Körnung 220 sind beide Systeme deckungsgleich, darüber nicht mehr.
K steht im deutschsprachigen Handel für „Korn" und meint in aller Regel dieselbe Zahl wie die P-Reihe. Es ist keine Norm; Hersteller verwenden K und P für dieselben Produkte nebeneinander.
Das hängt vom Polierverfahren ab. Mit Schwabbelscheibe und Paste genügt P400 bis P600. Mit Pad und Politur arbeitest du besser bis P2000 und darüber. Von Hand in Radien ist die feine Reihe bis P8000 der praktikabelste Weg.
Beim Nassschliff spült Wasser den Abrieb weg, kühlt und hält das Papier offen. Das ergibt ein feineres Schliffbild und eine längere Standzeit. Trocken schleift man beim Grobabtrag und dort, wo Wasser nicht hingehört. Ab etwa P400 auf Metall ist nass die Regel.
Nein. Die FEPA-P-Reihe endet bei P2500. P3000, P5000 und P8000 sind Herstellerbezeichnungen für den Übergangsbereich zwischen Schleifen und Polieren. Sie sind deshalb nur innerhalb einer Produktlinie direkt vergleichbar.