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Ratgeber
Eine dekorative Chromschicht ist 0,2 bis 0,5 Mikrometer dünn. Diese eine Zahl erklärt alles, was beim Polieren von Chrom schiefgehen kann.
Chrom ist keine Legierung, sondern ein Überzug. Auf einem Trägermetall sitzen Kupfer, eine oder mehrere Nickelschichten und ganz oben eine Chromschicht von 0,2 bis 0,5 Mikrometern – weniger als ein Hundertstel eines Haardurchmessers.
Diese Zahl steht in keinem der verbreiteten Pflege-Ratgeber, und ohne sie versteht niemand, warum „kräftig polieren" hier der falsche Rat ist. Jede Politur trägt ab. Was bei Aluminium nach Jahren auffällt, ist bei Chrom nach einer unbedachten Stunde passiert.
Diese Frage überspringen fast alle Anleitungen, und sie entscheidet über das Vorgehen. Was glänzend und silbern aussieht, ist häufig etwas anderes.
Bei den meisten Chromflächen liegt unter der Beschichtung Eisen oder Nickel – ein Magnet haftet also. Haftet nichts, ist der Träger Kunststoff, Zink oder Aluminium. Bei Zinkdruckguss ist der Test nicht eindeutig, deshalb kommt ein zweiter dazu.
Echtes Chrom auf Metall klingt beim Anklopfen hell und fühlt sich kühl an. Verchromter Kunststoff klingt dumpf und nimmt schnell die Temperatur der Hand an.
MERKEN Eine Zierleiste ist oft gar kein Chrom. Wer das nicht prüft, poliert eine Eloxalschicht kaputt.
Wie sich eloxiertes von blankem Aluminium unterscheiden lässt, steht ausführlich im Beitrag über oxidiertes und eloxiertes Aluminium.
Für dekoratives Glanzchrom nennt die Fachliteratur 0,2 bis 0,5 Mikrometer, andere Quellen 0,1 bis 1 Mikrometer. Hartchrom, wie es an Hydraulikstangen verwendet wird, beginnt erst bei etwa einem Mikrometer und reicht bis in den Millimeterbereich – das ist aber nicht das, was an einer Stoßstange sitzt.
Die Schicht ist mit 800 bis 1100 Vickers extrem hart, aber eben auch extrem dünn. Und sie ist nicht dicht: Glanzchrom hat typischerweise 1 bis 20 Risse je Zentimeter, mikrorissige Varianten sogar 300 bis 800. Den eigentlichen Korrosionsschutz leisten die Nickelschichten darunter.
Wie sich Chrom gegenüber den anderen Metallen verhält, ordnet der Beitrag über die Grundlagen des Metallpolierens ein. Daraus folgt zweierlei. Erstens: Polieren heißt hier abtragen, und der Vorrat ist winzig. Zweitens – und das sagt keine Pflegeseite: Wenn Rostpunkte durchkommen, ist nicht die Oberfläche verschmutzt, sondern der Grundwerkstoff bereits angegriffen.
Ist die Chromschicht durchpoliert, kommt Nickel zum Vorschein. Erkennbar an einem wärmeren, leicht gelblichen Ton, der mit der Zeit anläuft. Reparieren lässt sich das nur durch Neuverchromen.
Mit der Maschine gilt: niedrige Drehzahl, weiche Scheibe, nie lange an einer Stelle bleiben. Belastbare Drehzahlangaben nennt für Chrom keine Quelle – das liegt daran, dass die Schicht so dünn ist, dass die Zeit an einer Stelle mehr entscheidet als die Umdrehungszahl.
Als Intervall nennt chromzubehoer.de ein bis zwei intensive Durchgänge je Saison. Häufiger schadet mehr, als es nützt. Welche Politur sich für Chrom und andere Buntmetalle eignet, steht bei der Metallpolitur für Chrom, Alu und Edelstahl.
Kleine braune Punkte auf einer Chromfläche sind der häufigste Anlass, überhaupt zur Politur zu greifen. Fast überall werden sie als Oberflächenfleck behandelt. Das sind sie meistens nicht.
Weil die Chromschicht Risse hat und der Korrosionsschutz von den Nickelschichten kommt, gibt es zwei verschiedene Ursachen mit derselben Optik.
Unterscheiden lässt sich das am Verhalten: Was nach dem Polieren dauerhaft weg ist, war Belag. Was nach zwei Wochen an derselben Stelle wieder erscheint, kommt von unten. Im zweiten Fall hilft Konservieren, um den Fortschritt zu bremsen – gelöst ist es erst durch Neuverchromen.
Zum Vorgehen bei aufliegendem Flugrost beschreibt der Beitrag über Fremdrost auf Lack und Metall die Mittel im Detail. Wichtig für Chrom: keine sauren Produkte und keine langen Einwirkzeiten.
DIAGNOSE Kommt der Punkt wieder, war es nie ein Fleck. Dann ist das Blech unter dem Chrom schon dran.
Zur oft empfohlenen Alufolie-Methode – zusammengeknüllte Folie, in Wasser getaucht, über die Roststellen gerieben – eine Einordnung. Sie funktioniert, aber nicht aus dem Grund, der meistens genannt wird. Von einer galvanischen Reaktion ist in den Quellen nichts belegt; die Wirkung ist mechanisch. Aluminiumoxid ist weicher als Chrom und härter als Eisenoxid, deshalb geht der Rostbelag ab und das Chrom bleibt meist stehen.
Was die Methode nicht leistet: Sie entfernt den Belag, nicht die Ursache. Die Pore bleibt offen, und es rostet nach. Das steht in keiner der Quellen, die sie empfehlen.
Cola gegen Rost enthält Phosphorsäure nur in Spuren, dafür reichlich Zucker als klebrigen Rückstand. Öl und Asche geben kurzfristig Glanz, ohne etwas abzutragen – Asche ist dabei ein Schleifmittel mit unbekannter Körnung.
Kein Pflege-Ratgeber nennt ein Abbruchkriterium. Hier sind drei.
Zur Größenordnung: Für eine verchromte Stoßstange nennen Forenbeiträge Preise ab 450 Euro netto, ältere Angaben eines Betriebs liegen bei 200 Euro für den gesamten Weg über Entchromen, Schleifen, Verkupfern, Vernickeln, Polieren und Verchromen. Eine tschechische Galvanik nennt für Motorradteile 26 bis 32 Euro für einen Bremshebel und 28 bis 35 für einen Lampenring. Ein Lenker liegt dort bei 65 bis 85 Euro, ein Tank bei 386 bis 530.
Ein Punkt, der die Preisspanne erklärt: Mindestens die Hälfte des Aufwands entfällt auf die Vorbereitung – Farbe entfernen, schleifen, polieren. Ein Teil, das schon sauber und eben ist, wird deutlich günstiger.
An Vorkriegsfahrzeugen sitzt neben Chrom oft Messing, das anders reagiert — nachzulesen beim Polieren von Messing. Bei Oldtimern lohnt vorher eine zweite Überlegung, die nichts mit Technik zu tun hat: Eine gleichmäßig gealterte Chromfläche kann für den Wert des Fahrzeugs besser sein als eine neu verchromte. Warum das so ist, steht im Beitrag über die Aufbereitung von Oldtimern.
An diesen Fahrzeugen sitzt Chrom an Stellen, die es besonders schwer haben: an Auspuffanlagen, Lampenringen, Lenkern, Spiegeln, Schutzblechen und an Radmutterkappen.
Für Auspuffanlagen gilt eine Besonderheit. Verchromte Krümmer laufen durch Hitze an, und die Verfärbung sitzt in der Oberfläche. Mit einer milden Politur ohne Schleifkorn lässt sie sich vorsichtig angehen, mit Vlies oder Papier nicht – die Chromschicht wächst nicht nach. Was dahintersteckt, beschreibt der Beitrag über Auspuff und Krümmer.
Radmutterkappen sind ein dankbarer Fall: Sie lassen sich abnehmen, im Sitzen bearbeiten und trocknen gleichmäßig. Welche Ausführungen es in Chrom und in Edelstahl gibt, steht bei den Radmutterkappen für Lkw.
Und ein praktischer Hinweis für Fahrzeuge, die im Winter bewegt werden: Streusalz greift durch die Risse in der Chromschicht bis zum Nickel durch. Eine Konservierung vor der Salzsaison bringt mehr als drei Polierdurchgänge im Frühjahr.
Nein. Bei einer Schicht von 0,2 bis 0,5 Mikrometern ist jeder spürbare Kratzer ein Beschichtungsschaden, kein Oberflächenfehler. Was sich wegpolieren lässt, war Belag und kein Kratzer. Echte Kratzer bleiben oder verlangen eine Neubeschichtung.
Eine feine Metallpolitur mit wenig Korn. Grobe Pasten für Aluminium sind hier zu aggressiv. Wichtiger als das Produkt ist die Anwendung: wenig Material, wenig Druck, kurze Zeit, häufiger Tuchwechsel.
Bei Chrom fast immer von Hand. Die Maschine bringt vor allem eines mit: Zeit an einer Stelle, und genau die ist hier das Risiko. Wenn Maschine, dann niedrige Drehzahl, weiche Scheibe und ständig in Bewegung bleiben.
Erst klären, ob er aufliegt oder von unten kommt. Aufliegender Flugrost geht mit einer milden Politur oder einem säurefreien Eisenlöser ab. Rost aus den Poren kommt wieder – dort hilft nur Konservieren, um den Fortschritt zu bremsen.
Reinigen ja, polieren besser nicht. Die metallisierte Schicht auf Kunststoff ist noch dünner als auf Metall und teils nur aufgedampft. Milder Reiniger, weiches Tuch, keine abrasive Paste.
Chrom ist eine galvanische Beschichtung auf Metall, Eloxal ist eine verdickte Oxidschicht auf Aluminium. Chrom ist magnetisch anziehbar, wenn Eisen darunter liegt; Eloxal nie. Chrom lässt sich vorsichtig polieren, Eloxal überhaupt nicht.
Ein bis zwei intensive Durchgänge im Jahr reichen aus. Dazwischen waschen, trocknen und bei Bedarf konservieren. Jeder Durchgang kostet Schichtdicke, und die ist begrenzt.